Bei einer Nacht- und Nebelaktion soll ich mit der restlichen Verstärkung über die Breite verschifft werden. Ein guter Plan und nur möglich, da die Breite trotz des Sommers übermäßig viel Wasser führt. Mit mir sollen Sappeure, Magier und Proviant nach Greifenfurt kommen, um den Belagerten das Leben bis zur Ankunft des Hauptheers zu erleichtern.
Die Überfahrt gestaltet sich als äußerst problematisch. Das Heer der Schwarzpelze hat genug Belagerungsmaschinen beim Fluss in Stellung gebracht um unsere Schiffe unter Beschuss zu nehmen. Unsere Magier können aber mit Praios’ alles verzehrendem Feuer gegenhalten, ein durchaus gutzuheißender Einsatz Madas Makel. Dennoch macht der Einsatz der wackeren Greifenfurter den Unterschied. Mit einem aufopfernden Ausfall lenken sie das Götterlose Getier so weit ab, dass wir sicher die Stadt erreichen können. Nur mit Praios’ Segen und dem Herzblut dieser Streiter konnten wir fast vollständig unser Ziel erreichen.
In Greifenfurt bleibt keine Zeit die Lage zu sondieren. Natürlich will ich erst den Befehlshaber sprechen und mich ihm vorstellig machen. Dieser lässt mich aber links liegen und sieht die Magier als primäres Ziel seiner Aufmerksamkeit an. Ist ihm denn nicht bewusst, dass nun Praios’ Auge und Faust wieder in Greifenfurt Einzug gehalten hat und das viel bedeutsamer ist, als eine Hand voll bemitleidenswerter Magiewirker…
Ich werde mir merken, wer Praios’ Wirken unterstützt und wer nicht! Oberst Praiodro di Abadal hingegen ist ein sehr zuvorkommender Offizier. Er hat sein Herz am rechten Fleck und auch dem Glauben scheint er den richtigen Stellenwert beizumessen. Er führt mich durch die Stadt zum Büro von Marcian und klärt mich über die Situation auf. Es scheint als sei ich der einzige Geweihte der Zwölfe hier und damit Träger hoher Verantwortung.
Als erste Amtshandlung spreche ich den Grabsegen für Shafir ibn Said, einem tulamidischen Medicus der tapfer beim Ausfall ums Leben kam. Er scheint ein wahrer Held gewesen zu sein, hoch geachtet bei seinen Freunden und Mitstreitern. Leider wird dies nicht der letzte Grabsegen der nächsten Tage bleiben.
Bei Marcian erfahre ich dann noch mehr über die Stadt. Eine Serie von Morden, um die er sich nicht kümmern kann, muss untersucht werden. Dieser Aufgabe widme ich mich gerne, da ich davon ausgehe, viel Kontakt zum Volk zu haben und so leicht an Informationen komme. Mein erster Eindruck von Marcian ist, dass er nicht genug macht, um die Situation der Stadt zu verbessern. Er verlässt sich sehr auf seine Untergebenen und scheint kaum eigene Entscheidungen zu treffen. Meinem Bild von ihm tut dies nichts Gutes.
Beim Volk komme ich gut an. Natürlich hat ihnen ein seelenheilsspendender Geweihter gefehlt. So gibt es viel zu tun und viele Leute zu treffen. Auch einige Veteranen des Bannstrahler-Ordens kann ich ausfindig machen und um mich scharen.
Tatsächlich findet in den nächsten Tagen ein Mord statt. Eine Familie wird, wie von Tieren zerfetzt, aufgefunden. Untersuchungen ergeben nicht viel, außer dass eine große Frau mit dunklen Haaren aus dem Haus gekommen sein soll. Unvorstellbar, dass eine einfache Frau solch ein Blutbad anrichten konnte. Die Beschreibung passt, wie ich später erfahre, zu Sartassa, einer Halbelfe des KGIA, die vor ein paar Wochen verschwand.
Den entscheidenden Hinweis liefert allerdings eine Recherche im Archiv. Praiodro findet einen Hinweis darauf, dass ein Dämon einst in der Stadt sein Unwesen trieb. Er wurde unter dem Altar des Praiostempels begraben, da er nicht vernichtet werden konnte. Folgerichtig schloss ich, dass dieser wohl bei den Ausgrabungen der Orks, die den Praiostempel schleiften, wieder befreit wurde. Er muss sich Sartassa zur Gefährtin gemacht haben und diese hat dann die Bevölkerung heimgesucht.
Vermutlich hat auch einer der beiden mitbekommen, dass das Archiv eine Quelle der Enthüllung war. Ich habe das Archiv ja als Quelle der Chaos und somit der Praioslosigkeit erkannt, dennoch fanden sich wertvolle Informationen. Auf alle Fälle begab der Archivar Selbstmord. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass er seine Verfehlungen wider Praios’ Ordnung erkannt hat und sich selbst gerichtet hat. Dennoch scheint dies nicht zu dem Mann zu passen und so wird von einem Mord ausgegangen. Auch ein Feuer im Archiv spricht dafür. Das heilige Feuer war auch die einzige Möglichkeit, Ordnung in dieses Chaos zu bringen…
In der Wohnung des Archivars finden wir allerdings einen neuen Hinweis, der uns allerdings gleich entwendet wird. Der Dämon überfällt uns und entreißt uns das Dokument. Er greift uns an fügt uns schweren Schaden zu. Unsere Waffen erzielen keine Wirkung und nicht einmal Praios’ goldene Rüstung und damit das heilige Licht der Sonne haben einen Effekt gegen diese Kreatur. Es muss sich um einen Vampir handeln und somit um ein Wesen das selbstverständlich verfolgt und zur Strecke gebracht werden muss. Wir sind allerdings in dieser Begegnung nicht erfolgreich. Wir kommen gerade noch mit unserem Leben davon, und das auch nur, weil das Monster die Lust am Spiel mit uns verliert.
Marcian sieht die Sache nicht als wichtig an. Er verteidigt dass Monster noch dazu. In Menschengestalt hat es nämlich bei der Befreiung von Greifenfurt geholfen. Diese verzerrte Argumentation kann ich nicht gutheißen. Natürlich kann kein götterfürchtiger Mensch dulden, dass solch ein von den Zwölfen verfluchtes Wesen unter den armen Bürgern der Stadt wandelt und ungerichtet Unheil verbreitet. Nein, es muss sogar die erste Priorität sein, dieses Wesen zur Strecke zu bringen und gerade Marcian, der Mitglied der heiligen Inquisition von Praios’ Kirche ist, muss die Gefahr die solch eine Situation birgt im Keim ersticken. Nein, dieser Mann ist eindeutig vom Glauben abgefallen. Nach der Belagerung muss eine Anklage erfolgen und er muss sich mit seinem ketzerischen Verhalten vor der heiligen Kirche verantworten.
Anscheinend bleibt es mir, mich diesem Monster anzunehmen. Mir und Praios’ heiliger, reinigender Flamme…
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